#fitchthehomeless – Obdachlose profitieren von Shitstorm

Wut- oder Empörungswelle – mit diesen Worten könnte man den Begriff Shitstorm durchaus ins Deutsche übersetzen, wenn auch nicht wortwörtlich. Eine bekannte Marke, die sich seit kurzem etwas detaillierter mit dem Vokabular befassen muss, ist Abercrombie & Fitch.

Ich muss gestehen, dass ich kein einziges Kleidungsstück des Modeunternehmens besitze und das obwohl ich genau in das Beuteschema der Amerikaner passen würde: cool, jung, groß und schlank. Ich empfinde mich nicht als besonders toll, wie das jetzt vielleicht den Anschein haben mag, würde aber, was das Alter, eine gewisse Lässigkeit und auch die Figur betrifft, nahezu uneingeschränkt in die Zielgruppe von Abercrombie & Fitch passen.

Nicht nur die einzelnen Mitarbeiter der Firma werden streng nach ihrem Aussehen und Style eingestellt, was in den USA längst bekannt und auch flächendeckend äußerst umstritten ist. Auch die Käufer sollten, wie bereits erwähnt, weder dick und hässlich, noch arm wie eine Kirchenmaus sein. Eigentlich ein absolutes No-Go und fast schon ein Fall für Amnesty International, schließlich sollte jeder das Recht haben, die gewünschte Kleidung zu tragen.

Natürlich ist die Menschenrechtsverletzung hier weit überspitzt und vielleicht sogar fehl am Platz. Aber dennoch hat es die achso “coole” amerikanische Marke mit der vielzu großen Schrift auf den Kapuzenpullovern geschafft, einige Menschen mit ihrer Philosophie zu verärgern. Und das völlig zurecht!

Wie ich in einem Artikel auf tagesschau.de gelesen habe, soll ein Manager gar ausgeplaudert haben, dass fehlerhafte Kleidungsstücke nicht etwa an bedürftige soziale Einrichtungen gespendet werden, sondern direkt in der Verbrennungsanlage landen. Somit will das eher unsympathische Unternehmen vermeiden, dass sich Menschen mit beschränkten oder gar keinen monetären Mitteln die Klamotten erwerben.

Umso besser, dass es Personen wie Greg Karber gibt, die über YouTube auf die Machenschaften von Abercrombie & Fitch hinweisen, darin zeigen, wie sie Kleidung an Obdachlose verteilen und dem Zuschauer eine nicht wirklich aggressive, aber dafür überaus wirkungsfolge Message mit auf den Weg geben, die da wäre:

“Together we can make Abercrombie & Fitch the world´s number one brand of homeless apparel”.

Aber schaut selbst…

In der Zwischenzeit hat das Video knapp 4,5 Millionen Klicks und verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Auch unter dem Hashtag #FitchTheHomeless brasseln pro Minute zahlreiche bitterböse Nachrichten auf Twitter und Google+ ein, die den Social Media Manager des Shitstorm-Opfers vermutlich bereits aus purer Verzweiflung zur Kündigung bewogen haben.

Mir gefehlt die Kampagne von Greg Karber, die man eigentlich nicht als solche bezeichnen sollte. Zutreffender wäre hier sicherlich die etwas geschwollene Beschreibung “Unfreiwilliger Imagewechsel durch das Einwirken Dritter”.

Warten wir also weiterhin gespannt ab, welchen viralen Effekt das YouTube-Video mitsamt der weiteren Plattformen noch erzielen wird und wie sich vor allem das Opfer, welches man ebenfalls nicht als solches bezeichnen sollte, in Zukunft verhalten wird.

re:publica 2013 – Berlin! Berlin! Wir waren in Berlin!

An den vergangenen drei Tagen war in Berlin das berühmt berüchtigte „Klassentreffen“ oder „Familientreffen“ namens re:publica angesagt, das von den Gründern bei der Eröffnung gar als Festival vorgestellt wurde. Hier treffen sich jährlich Entwickler, Blogger, Journalisten, sonstige Nerds bis hin zu politisch Interessierten, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise von der digitalen Welt besessen sind.

Die ersten Eindrücke eines Neulings

Erstmals war auch ich mit von der Partie und hatte große Erwartungen, schließlich war die Aufregung innerhalb meiner Twitter-Timeline bereits Tage vor dem Event riesengroß. Auch im vergangenen Jahr wimmelte mein Account nur so vor lästigen Tweets mit dem Hashtag #rp12. Und das über ganze drei Tage hinweg. Höchste Zeit also für mich selbst dabei zu sein, um einige Avatare, die ich bisher nur aus der digitalen Welt kannte, endlich in der Realität anzutreffen.

re:publica 2013 in Berlin

Vor allem in den Anfangsstunden machte sich bei den meisten Teilnehmern, so auch bei mir, eine gewisse Unsicherheit breit. Man kennt sich zwar, allerdings auch wieder nicht. Das erste Herantreten an einen Follower ist daher immer etwas schüchtern und zwar von beiden Seiten. Da man aber schnell mitbekommt, dass es ca. 90 Prozent aller Besucher so geht, ist die Zurückhaltung schnell verflogen, vor allem ab 16 Uhr (“Kein Bier vor vier!”).

Alles in allem ist die re:publica, die mit der englischen Aussprache, wie ich feststellen musste, rein gar nichts zu tun hat, eine sehr zwanglose Veranstaltung. Es geht tatsächlich um das Networking und wer diese Möglichkeit nicht nutzt, dem werden zwar einige spannende und tiefgründige Vorträge geboten, eine Erweiterung des eigenen Netzwerkes bleibt allerdings aus. Und mal ehrlich, die besten Informationen und Ideen erhält man nun mal bei einem Gespräch mit anderen Bloggern, Diginerds und Social Media-Rockstars.

Die Top 3 der Sessions auf der re:publica

Sascha Lobo erfindet das InternetlogoIn Erinnerung bleiben werden mir drei imponierende Vorträge, wovon jeder an einem anderen Tag stattfand. Zur Prime Time, zeitgleich mit „The Simpsons“ auf Prosieben, referierte der stets polarisierende Sascha Lobo einen Überraschungsvortrag zum Thema „Mit Wut und Pathos für das freie Internet“. Dieser war teilweise etwas langwierig, allerdings beinhaltete er zahlreiche spannende Blickwinkel, gepaart mit einer ordentlichen Portion Ironie. Die enorme Anzahl an Zuhörern auf Stage 1 machte zudem deutlich, welch großes Standing Lobo noch immer unter den „Internet People“ genießt.

Der Dienstag begann sogleich mit der energiegeladenen Französin Catherine Barba, die „10 tips to grow your Positive Entrepreneurial Energy“ raushaute. Nicht nur ein äußerst motivierender Beitrag, sondern gleichzeitig auch eine Art Warnung, sich nicht über alltägliche Kleinigkeiten zu ärgern und das Leben in vollen Zügen zu genießen und das zu tun, woran man tatsächlich Spaß hat: „Life is short – eat cookies!“ Steve Jobs hätte es, wie bei seiner damaligen Rede in Stanford, nur schwer besser machen können.

Hier die Top 10 von @cathbarba:

Vortrag von @cathbarba

Last, but not least ging es am letzten Tag der Konferenz im Vortrag „Die Digital Natives ziehen in den Krieg“ von Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow darum, dass soziale Netzwerke nicht immer friedlich sind, sondern gerade in Krisensituationen förderlich für Kriegsverherrlichung und Propaganda sein können.

Auf der anderen Seite zeigen Facebook & Co. allerdings auch einen Blick hinter die Kulissen, zumindest solange bis die Zensur in Kraft tritt. Eine spannende Website für alle Ferngebliebenen ist hierbei sicherlich Out of Sight, Out of Mind., eine gut aufbereitete, interaktive Statistik, die ein paar weniger schöne Zahlen wiedergibt. Schaut einfach mal rein.

Nobody is perfect, auch die re:publica nicht

Um die #rp13 nicht ausschließlich in den Himmel zu loben, lässt sich ein objektiver Blick auf das Event nicht vermeiden. Glücklicherweise gibt es hierbei nicht allzu viel zu bemängeln, denn die Veranstaltung war einfach rundum gelungen, bis auf eben diese drei winzigen Schönheitsflecken:

  1. Die Sessions „Überraschungsvortrag“ von Sascha Lobo und „Heute aufwachsen in Digitalistan“ von Manuela Schauerhammer hatten zwei Dinge gemeinsam. Beides waren äußerst beeindruckende Vorträge zu kurzweiligen Themengebieten, allerdings funktionierte das Abspielen der Videos nicht, was für eine solch professionelle Konferenz eigentlich ein absolutes No-Go ist und die Referenten etwas dumm aus der Wäsche hatte schauen lassen.
  2. Das Catering im Allgemeinen war schön und gut. Die Anstehzeiten zur Mittagszeit dann aber doch eher untragbar. Wer auf Vorträge nicht verzichten wollte, musste durchaus einige Minuten an der Warteschlange in Kauf nehmen. Glücklicherweise konnten die Laute der knurrenden Mägen der Besucher durch die massive Geräuschkulisse übertönt werden. Eine Idee für das kommende Jahr wäre es weitere Essensstände einzubinden. Vielleicht sogar mit einer Döner- und/oder Currywurstbude. Typisch Berlin eben.
  3. Während ich diesen Blogpost schreibe muss ich über den dritten negativen eigentlich eher schmunzeln. Und zwar geht es um das regelmäßige Umfallen von Bierflaschen, insbesondere ab 16 Uhr, während der Vorträge. Kaum eine Präsentation verging, ohne dass ein Glasgefäß den harten Boden nicht berührte und einige Zentimeter in der Horizontale durch die Räume rollte. Etwas anstrengend für die Nerven, war man doch fixiert auf die Worte der Protagonisten auf der Bühne (Kleine Anmerkung: Auch ich war eine dieser Nervensägen. Sorry!).

Beim Gesamturteil spielen die obigen Punkte nur eine untergeordnete Rolle. Die re:publica hat definitiv das Potenzial dazu, als Ziel in die Buchreihe „1,000 Places to See Before You Die“ aufgenommen zu werden. Für sämtliche Webworker und digital Begeisterte ist eine Reise nach Berlin ein absolutes Muss, weshalb auch ich im kommenden Jahr wieder mit dabei sein werde. Und dann gilt es erneut, das Netzwerk weiter auszubauen, neue Ideen aufzuschnappen und auch das Feiern nicht außer Acht zu lassen.

Vielen Dank an alle, mit denen ich mich während der drei Tage austauschen konnte und auf den Putz hauen durfte. Außerdem natürlich ein großes Lob an die Organisatoren für drei Tage vom Allerfeinsten. Wir sehen uns dann spätestens zur re:publica 2014 in Deutschlands digitaler Hauptstadt Berlin.

re:publica – Berlin, Berlin! Wir fahren nach Berlin!

Im vergangenen Jahr um die gleiche Zeit fühlte ich mich ausgestoßen und fast schon ein bisschen einsam. Sich mit anderen Personen über diverse soziale Netzwerke zu unterhalten war ebenfalls schier unmöglich. Der Gründ dafür war die re:publica 2012, die vom 2. bis zum 4. Mai meine komplette Timeline auf Twitter eingenommen hatte. Mir kam es so vor, als wäre ich damals der einzige gewesen, der die jährlich in Berlin stattfindende Konferenz nicht besucht hatte.

re;publica 2013

2013 wird alles anders. Um mich nicht erneut als Außenseiter fühlen zu müssen, werde ich heute Abend bequem mit dem Flieger den Weg vom Südwesten Deutschlands in den Nordosten antreten. Die Vorfreude ist bereits riesig, auch wenn ich als Neuling noch immer nicht ganz weiß, was mich tatsächlich im pulsierenden Berlin erwarten wird.

Umso besser, wenn es den ein oder anderen erfahrenen Blogger gibt, der gar eine Gebrauchsanleitung für die re:publica mit einer ordentlichen Portion Ironie in Form von vorgefertigten Tweets bereitstellt. Ein Dankeschön hierbei an @Nico. Nicht nur für den amüsanten Artikel, sondern vielmehr für einen weiteren, diesmal sehr hilfreichen, Blogpost, welche Utensilien man unbedingt auf Konferenzen dabei haben sollte.

Utensilien für die Republica 2013Da Vorbereitung bekanntlich alles ist, habe ich mir heute Nacht die Zeit um die Ohren geschlagen, mir sämtliche Sessions der re:publica rauszusuchen, die mich interessieren und ich mir theoretisch auch wirklich anschauen könnte. Dass Euch der Plan wohl kaum interessiert, sehe ich durchaus ein. Für mich ist er aber durch die Veröffentlichung zumindest schon mal jederzeit verfügbar, sofern mir die Akkus meiner diversen Kommunikationstechnologien keinen Strich durch die Rechnung machen.

Sessions am 6. Mai

  • 10.15 Uhr: Eröffnung (Stage 1)
  • 11.00 Uhr: Innovation Africa (Stage 1)
  • 12.15 Uhr: Sketchnotes (WS C)
  • 13.30 Uhr: AfricaHackTrip – Exploring African Tech Communities (Global Innovation Lounge)
  • 14.00 Uhr: Expand your SEO to the next level (New Thinking)
  • 14.45 Uhr: Content Strategy für NGOs – Webinhalte erst strategisch planen, dann publizieren (WS C)
  • 16.00 Uhr: blognetz.com – Visualisierung der deutschsprachigen Blogger/-innen (New Thinking)
  • 17.15 Uhr: Systematisch und souverän durch den digitalen Wandel navigieren (WS C)
  • 18.30 Uhr: Sportblogs und Sportjournalismus (Stage 7)
  • 19.45 Uhr: Überraschungsvortrag von Sascha Lobo (Stage 1)

Sessions am 7. Mai

  • 10.30 Uhr: Entrepreneurial Energy (Stage 6)
  • 11.15 Uhr: Let´s talk about Content! – Wie sich die Infrastruktur des Internets verändert (Stage 4)
  • 12.30 Uhr: You can turn off the public internet, but you can´t turn off the internet public (Stage 1)
  • 13.45 Uhr: Net Neutrality (Stage 2)
  • 15.30 Uhr: Heute aufwachsen in Digitalistan: Die neuen mündigen Menschen? (Stage 2)
  • 16.15 Uhr: Yarnbombing, Social Commerce und die Craftistas (Stage 5)
  • 16.45 Uhr: Personal Branding Kampagne: Wie der neue Job dich findet (Stage 5)
  • 17.30 Uhr: Wie Fernsehen und Online zusammenwachsen: die SWR-Projekte “Zeit der Helden” und “Tatort+ 2013″ (Stage 7)
  • 18.45 Uhr: Saisonrückblick Social Media Recht (Stage 5)
  • 20.00 Uhr: Herm und Nilz präsentieren: Das Internet – der Preis (Stage 3)

Sessions am 8. Mai

  • 10.00 Uhr: re:Fefe: Erkenntnisse der empirischen Trollforschung (Stage 6)
  • 10.30 Uhr: Kommunikation zwischen Unbekannten über Unbekanntes und warum Internettrollerei nicht schlimm ist (Stage 6)
  • 11.15 Uhr: China, India, Bangladesh, we´re looking at you: Blogging and tweeting in Asia (Stage 2)
  • 12.30 Uhr: The first thing we do, let´s kill all the lawyers – Die Anwälte, das Internet und die Abmahnungen (Stage 3)
  • 13.45 Uhr: Die Digital Natives ziehen in den Krieg (Stage 2)
  • 15.00 Uhr: It´s not a fax machine connect to a waffle iron (Stage 1)
  • 16.15 Uhr: Blogs und Bier? Das lob´ ich mir! #ironblogger (Stage 5)

Wenn ich richtig gezählt habe, dann habe ich mir 27 Sessions vorgenommen oder zumindest vorsichtshalber aufgeschrieben. Mal abwarten, wie viele ich dann tatsächlich besuchen werde, schließlich sollte man es sich auch nicht nehmen lassen, ein paar Aussteller zu besuchen und den ein oder anderen neuen Kontakt bei einer leckeren Currywurst mit Pommes kennen zu lernen und ein paar Minuten länger zu plaudern, als es die vorgesehene Pause erlaubt.

Auf alle Fälle freue ich mich schon sehr auf das Treffen mit einigen Personen, die ich bisher nur aus den flackernden Bildschirmen meines Notebooks oder Smartphones kannte. Ein paar Dates wurden vorab bereits ausgemacht und ich bin guter Hoffnung, dass die Gespräche länger als 140 Zeichen andauern werden. Jetzt heißt es aber erst einmal „Aufbrechen nach Berlin!“ und ich wünsche mir selbst sowie allen Teilnehmern an der diesjährigen Republica eine geniale Zeit, starke Sessions und jede Menge Fun. 

Wir sehen uns dann in Berlin.

Digitale Nomaden: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Ein Blick auf mein mittlerweile fast schon eingefrorenes Reiseblog verrät mir, dass es nach fast drei Jahren eigentlich mal wieder an der Zeit wäre, den Rucksack zu packen, mehrere Wochen durch fremde Länder zu ziehen und neue Kulturen zu entdecken. Immer wieder auftretendes Fernweh, die Angst etwas zu verpassen und vielleicht auch das Streben nach Unabhängigkeit bestärken dieses Vorgehen in regelmäßigen Abständen.

Digitaler Nomade: Arbeiten im Paradies

Die alltägliche Arbeit im Angestelltenverhältnis, ein fester Lebensmittelpunkt sowie das nötige Kleingeld für die Umsetzung eines längeren Trips auf einem anderen Kontinent, lassen ein solches Vorhaben dann aber doch eher als utopischen Gedankenfurz wirken anstatt greifbarer Realität. Doch genau dieser Utopie wird Abhilfe geschaffen, nämlich durch das digitale Nomadentum.

Protagonisten hierbei sind die so genannten digitalen Nomaden oder auch Internet-Nomaden. Wikipedia definiert diesen Kreis von Personen im Singular auch ”als Arbeitnehmer, der fast ausschließlich digitale Technologien anwendet, um seine Arbeit zu verrichten und der einen Lebensstil führt, der eher als nicht sesshaft zu bezeichnet ist.” Meine eigene Definition, geprägt von unbändigem Reisedurst und keinerlei Erfahrungswerten, lautet hingegen wie folgt:

“Digitale Nomaden sind Weltenbummer, die den Mut und Ehrgeiz besitzen, ihre Arbeit mit auf Reisen zu nehmen und auf Grund eines fortwährenden Fortschrittes der Technik die Möglichkeit haben, ihr monatliches Einkommen an Orten zu verdienen, wo andere Urlaub machen.”

Die obigen Zeilen bestärken sicherlich, dass auch ich schon des Öfteren mit dem Gedanken gespielt habe, digitaler Nomade zu werden, weitere Planungen allerdings immer am Mut oder Ehrgeiz scheiterten. Vielleicht ist es aber auch diese gewisse Sicherheit, welche wir innerhalb Deutschlands haben. Warum auch sollten wir das gemachte Nest, indem man sich pudelwohl fühlt, auch verlassen? Mit eben dieser Thematik habe ich mich im Detail beschäftigt.

Welche Fragen sind vorab zu klären?

Um nicht vollkommen naiv in die Ferne zu verreisen, wie es regelmäßig in wöchentlichen Doku-Shows à la “Goodbye Deutschland” oder “Auf und davon” zu sehen ist, sollten vorab unbedingt ein paar Fragen geklärt werden:

  • Welche Absicht bezwecke ich mit dem digitalen Nomadentum?
  • Bin ich bereit, das geordnete Leben zu Hause (für eine gewisse Zeit) aufzugeben?
  • Kann ich meinen bisherigen Job auch im Ausland fortführen?
  • Wer kümmert sich um anfallende Dinge zu Hause (z. B. Behördengänge, Tagespost)?
  • Habe ich genügend Rücklagen für den Notfall?
  • Benötige ich eine Arbeitsgenehmigung?
  • Bin ich für meine bestehenden Kunden weiterhin zu festen Zeiten erreichbar?
  • Betrachte ich den Trip wirklich als Arbeitsplatzwechsel oder doch vielmehr als Urlaub?

Erst im Anschluss an die Beantwortung der obigen Fragen lohnt es sich tatsächlich mit den weiteren Planungen bzgl. Wohungssuche, Visum, Aktualisierung der Reiseunterlangen und Auswahl der Krankenversicherung, fortzufahren und von einem Auslandsaufenthalt zu träumen.

Die Vorteile eines digitalen Nomaden liegen auf der Hand

Schmackhaft sind vor allem die zahlreichen positiven Aspekte, denen ein Internet-Nomade begegnet. An oberster Stelle steht neben dem Arbeitsplatzwechsel an einen beliebigen Wunschort auch das Kennenlernen neuer Kulturen. Von Fernweh sollte somit keine Spur mehr sein.

Da der gewöhnliche Webworker zum Arbeiten in der Regel lediglich ein Notebook inklusive Internetverbindung sowie ein funktionierendes Smartphone benötigt, hat man sein transportables Büro stehts bei sich. So steht es einem digitalen Nomaden frei, ob er seinen täglichen Aufgaben auf der Terrasse eines Bungalows am Strand oder einem Straßencafé beziehungsweise Coworking Space in einer pulsierenden Metropole nachgeht.

Auch die Rücklagen, die man für eine längere Rucksacktour aufbringen muss, halten sich in Grenzen, schließlich ist es das primäre Ziel während des Reisens vorwiegend zu arbeiten, um grundlegende Kosten damit zu decken. Je nach Land spielen einem die günstigen Lebenshaltungskosten zusätzlich in die Karten. Wer sich beispielsweise für eine bestimmte Zeit in Bangkok niederlässt, dem stehen im Gegensatz zu Deutschland weitaus günstigere Aufwendungen für Miete und Nahrungsmittel entgegen.

Ein weiteres Pro ist die Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man stets weltoffen, aufgeschlossen und kommunikativ ist sowie keine Berührungsängste hat, auf fremde Personen zuzugehen. Der Kontakt mit Einheimischen verschafft einem zudem einen exklusiven Einblick in die Kultur sowie Geheimtipps für Wochenendtouren zu ganz besonderen Destinationen, die gewöhnlichen Touristen oftmals verwehrt bleiben.

Die negativen Aspekte des digitalen Nomadentums

Da ich, wie dem bisherigen Blogpost höchstwahrscheinlich zu entnehmen ist, außerordentlich begeistert vom Arbeiten in der Ferne bin und ich die Euphorie bezüglich eines Nachahmens nicht allzu sehr bremsen möchte, sind die Nachteile in einer Aufzählung ohne jegliche Begründung aufgelistet:

  • Motivation zur täglichen Arbeit wird durch Verlockungen und chronisches Reisefieber eingeschränkt
  • nur die notwendigsten Utensilien passen in die Reisetasche
  • teure Destinationen und Unternehmungen erfordern Mehrarbeit oder höhere Rücklagen
  • äußere Einflüsse (z. B. Hitze, Smog, Lärm) erschweren die tägliche Arbeit
  • Langeweile, Normalität, Sorgen, Heimweh und Ärger gibt es auch im Paradies
  • in kaum einen anderen Land ist das Leben so gut organisiert und sicher wie in Deutschland

Wer sich dazu entscheidet für eine bestimmte Dauer ins Ausland zu gehen, sollte im Vorhinein ab und an auch mal die rosarote Brille absetzen und sich mit potenziellen Problemen gezielt auseinander setzen. Typisch deutsches Sicherheitsdenken sozusagen, welches während dem Auslandsaufenthalt allerdings Gold wert sein kann.

Ich selbst lese immer wieder gerne Artikel von Personen, die eben just in diesem Moment an ihrem Wunschziel tätig sind und das Recht haben, sich mit dem Titel “digitaler Nomade” schmücken zu dürfen. Ob überhaupt und wann ich tatsächlich in deren Fußstapfen treten werde oder ob ich dann doch lieber weiterhin als reiner Backpacker durch die Welt ziehe, darüber lässt sich streiten.

Fest steht, dass das Reisefieber stets vorhanden ist und das digitale Nomadentum eine gute Möglichkeit ist, neue Länder und Kulturen kennen zu lernen, auch für mich. Im Fokus sollte dabei allerdings immer die tägliche Arbeit stehen und nicht die trügerischen Verlockungen der ausgewählten Destination. Andernfalls ist das Abenteuer Ausland schnell passé.

Über Kommentare von digitalen Nomaden oder denjenigen, die es noch werden wollen, freue ich mich mindestens genauso, wie über Verlinkungen zu interessanten Blogs zu einer äußerst spannenden und ereignisreichen Thematik.

Kommunikation bei der Bahn: Online top, offline ein Flop

Vor ein paar Wochen habe ich noch in den höchsten Tönen über das Beschwerdemanagement der Deutschen Bahn geschwärmt. Und das völlig zurecht, schließlich war nicht nur die Antwort auf eine als Liebesbrief getarnte Beschwerde einer gewissen Franzi einfach nur genial. Auch der Twitter-Account @db_bahn und die Facebook Seite sind Paradebeispiele für eine erfolgreiche Kommunikation mit dem Endkunden im Social Web.

Alles schön und gut, hätte ich nicht vor gut zwei Wochen meine erste negative Erfahrung mit der Bahn gemacht. Nicht etwa online, wo weiterhin alles reibungslos verläuft, sondern offline, wo man nicht wirklich von einem gelungenen Dialog sprechen kann. Hier der Sachverhalt in Form einer kurzen Nacherzählung:

An einem schönen Samstagvormittag (6. April) befand ich mich zusammen mit einem Arbeitskollegen auf dem Heimweg von Emmendingen nach Offenburg. Etwas unter Zeitdruck begaben wir uns auf den Weg zum örtlichen Bahnhof, wo wir schnurstracks auf den Fahrkartenautomat zusteuerten, um uns ein Ticket für den um 8.40 Uhr abfahrenden Zug zu sichern.  

Voller Erschrecken stellten wir fest, dass der Automat wie auch schon am Vorabend, als sich ein weiterer Kollege ein Ticket für die Fahrt nach Freiburg ziehen wollte, nicht funktionierte. Um den Zug nicht zu verpassen, nahmen wir erneut unsere Füße in die Hand und sprinteten zum Gleis, wo wenig später auch schon der Zug ankam, der uns in die schöne Ortenau befördern sollte.

Da wir ein auf Grund des fehlenden Tickets ein schlechtes Gewissen hatten, suchten wir kurz nach dem Einstieg in den Zug umgehend den Fahrkartenkontrolleur auf, um unser Anliegen des kaputten Automaten vorzutragen und ein Ticket zu lösen. Gesucht, gefunden!

Einem grimmigen Blick eines nicht allzu gut gelaunten Mitarbeiter der Deutschen Bahn folgte der Satz: “In einer Regionalbahn kann man kein Ticket nachlösen. Personalausweise bitte!” Dieser Aufforderung kamen wir unverzüglich nach, waren allerdings doch etwas verwirrt, da man nicht wirklich mit uns reden bzw. uns erklären wollte, was denn der Grund für die Inspizierung der persönlichen Papiere gewesen war.

Ich ahnte nichts Gutes, schilderte dem noch immer wenig gesprächsbereiten Kontrolleur den Sachverhalt mit dem nicht funktionierenden Automaten ein weiteres Mal und erhielt kurz und knackig die Antwort “Auf der Fahrpreisnacherhebung ist eine Adresse, an die sie sich wenden können!”

Etwas verwirrt richtete ich meinen Blick auf meinen ebenfalls fassungslosen Arbeitskollegen, der mir zugleich mitteilte, dass uns neben den Kosten für die Fahrtstrecke zusätzlich jeweils 40 Euro aufgetragen wurden. Enttäuscht und wortlos fuhren wir die letzten 20 Minuten zurück nach Offenburg. Ein bisschen fühlten wir uns wie Verbrecher.

Ungefähr so spielte sich die Situation im Zugabteil ab. Wie vom Personal vorgeschlagen, beschlossen wir mit der DB Vertriebs GmbH auf postalischem Wege Kontakt aufzunehmen, um unser Nichtverschulden und das sofortige Aufsuchen des Bahnpersonals innerhalb des Zuges mitzuteilen. Unsere Hoffnung bestand schließlich darin, die Kosten erlassen zu bekommen oder zumindest eine detaillierte Begründung für die Berechnung zu erhalten.

Zwei Tage nachdem sich das Schreiben auf den Weg nach Baden-Baden aufgemacht hatte, lag auch schon ein Brief bei mir im Postkasten. Wieder einmal schien die Deutsche Bahn in Sachen Beschwerdemanagement alles richtig gemacht zu haben, nämlich eine schnelle sowie zufriedenstellende Beschwerdeantwort.

In Bezug auf Letzteres meine ich nicht ausschließlich das Erlassen der Kosten. Vielmehr erwartete ich eine Begründung, warum eben dieser Unkostenbeitrag für meinen Arbeitskollegen und mich überhaupt entstanden war, obwohl wir keine Möglichkeit hatten, ein Ticket am Fahrkartenautomaten zu erwerben. Als ich den Brief öffnete, musste ich allerdings einen plumpen Text mit vorgefertigten Textbausteinen und einer nicht zufriedenstellenden Antwort über mich ergehen lassen:

Fahrpreisnacherhebung Deutsche Bahn

Wurde der geschilderte Sachverhalt zur Fahrpreisnacherhebung etwa nicht verstanden? War der Sachverhalt zu komplex oder spart es einfach nur eine Menge Zeit, einen Kunden mit einem Standardformular abzustempeln?

Mir bleibt abschließend eigentlich nur noch zu sagen, dass ich mich vielmals für eine vorzügliche Offline-Kommunikation bedanke. Außerdem freut es mich und meinen Arbeitskollegen sehr, dass das Problem durch ein kompetentes Beschwerdemanagement so schnell aus der Welt geschafft werden konnte. Schön, dass wir darüber gesprochen haben. 

Nur Mut zu den ersten Kampagnen auf Instagram

Instagram ist visuell, lebendig und bedarf nur weniger Worte. Die Foto-Sharing-App boomt mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum und wird vermehrt von einzelnen Unternehmen erfolgreich in die Social Media-Strategie eingebunden. Zwei Beispiele zum Verkaufen und Verlosen über Instagram möchte ich Euch heute ein bisschen näher vorstellen.

Instagram goes Social Commerce

Die Fluggesellschaft Swiss hat eine Kampagne namens “Swiss Instagram Takeover” ins Leben gerufen, die nicht etwa nur auf die Kommunikation mit (potenziellen Kunden) und das Branding im Allgemeinen abzielt. Vielmehr soll sie den Abverkauf steigern und ein paar Extra-Franken in die Geldbeutel der Schweizer zaubern.

Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes der innovativen Airline war dabei der Hashtag #genevamotorshow. Benutzt wurde dieser, um eigene Angebote in den Fotostream zu integrieren und diese natürlich auch zu bewerben. So gelangte man beim Scrollen urplötzlich auf einzelne Bilder, die als Mosaik das Innenleben des Flugzeuges und somit einzelne Sitzplätze darstellen. Ein Klick auf eines dieser Bilder führte schließlich umgehend zum Angebot.

Wie ich finde eine äußerst gelungene und raffinierte Kampagne. Dass tatsächlich viele Flugtickets generiert wurden, kann ich mir (noch) nicht vorstellen, aber die Schweizer machen deutlich, dass soziale Medien weiterhin mit großen Schritten in Richtung Social Commerce gehen beziehungsweise diese ein enorm großes Potenzial hinsichtlich des Abverkaufes aufweisen.

Urlaubsfotos posten und Reise gewinnen

Eine weitaus weniger spektakuläre, aber dennoch erstklassig umgesetzte Aktion, hat South African Tourism auf die Beine gestellt, die über Instagram eine Reise ins Regenbogenland verlosen. Die Koordination läuft dabei über den Account @suedafrika_erleben, während zusätzliche Informationen auf der dazugehörigen Tumblr-Seite zu finden sind.

Über den Hashtag #suedafrika_erleben_contest können einzelne Nutzer bis einschließlich 21. April ihre schönsten Erinnerungen aus Südafrika hochladen. Der Fotograf des beeindruckendsten Fotos, ausgewählt von einigen Mitarbeitern der Berliner Agentur visumate, wird schließlich zu einer erneuten Fotosafari am Kap der guten Hoffnung im Mai eingeladen.

Da ich im Jahr 2010 selbst für ein halbes Jahr in Südafrika war und mich das Land seitdem in seinen Bann gezogen hat, schaue ich mir über den oben genannten Hashtag nicht nur täglich Updates mit tollen Impressionen an, sondern habe selbstverständlich ebenfalls teilgenommen. Das Foto entstand im Juli 2010 in Umlazi, einem Township in KwaZulu-Natal, während eines von der Organisation WhizzKids United organisierten Fußballspiels. 

Fußballturnier in Umlazi

Auch wenn Facebook (völlig zurecht) noch immer das Maß aller Dinge ist, so erfreut es mich umso mehr, wenn Unternehmen und/oder Organisationen zunehmends auf “Nischen-Netzwerke” ausweichen und dort erste Kampagnen starten. Denn eines ist sicher: Social Media ist nicht nur Facebook!

Pepsi-Viral mit Jeff Gordon und dem Chevrolet Camaro

Dass gute Virals selten sind und deren Erfolg nahezu unvorhersehbar ist, ist allgemein bekannt. Ein Unternehmen, das es geschafft hat ein solches zu produzieren, ist der US-amerikanische Getränkeriese Pepsi. Als Zutaten für die virale Kampagne hat es sich lediglich an einem Chevrolet Camaro und einem gewissen Jeff Gordon bedient.

Dose PepsiLetztgenannter ist ein in den USA bekannter NASCAR-Rennfahrer und regelmäßig auf dem Podium der beliebten Rennserie zu finden. Der Chevrolet Camaro hingegen ist ein Sportwagen, der Mitte der 1960er-Jahre als Konkurrent zum Ford Mustang entstand, einige PS unter der Haube hat und insbesondere von Personen geschätzt wird, die auf der Straße ordentlich Gas geben wollen.

Im Video, das in den vergangenen beiden Wochen mehr als 30 Millionen Views auf YouTube generiert hat, wird Jefferey Michael Gordon als fast schon konservativ wirkender Normalsterblicher verkleidet, der sich beim Test in einem Autohaus am flotten Sportwagen versuchen möchte. Der Verkäufer weiß (scheinbar) nicht, bei wem er es sich einige Minuten später auf dem Beifahrersitz bequem macht.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Kupplung-Gas-Maschinerie gibt Jeff Gordon schließlich Vollgas und zeigt sein Können, was dem Autoverkäufer gar nicht schmeckt. Spätestens nach einer Reihe von Burnouts und dem Befahren einer Laderampe mit Höchstgeschwindigkeit sind aus dem Mund des gut genährten Angestellten nur noch Worte zu hören, die einer Zensur bedürfen und in diesem Blog nicht weiter erwähnenswert sind.

Völlig in Rage steigt der aufgelöste Beifahrer nach der Probefahrt aus dem Camaro und geht schnellen Schrittes auf den erfolgreichen NASCAR-Fahrer zu. Bevor dieser Opfer einer Attacke wird, gibt er sich jedoch zu erkennen und deutet auf die versteckten Kameras hin.

Auch wenn es wie so oft fraglich ist, ob das Video nicht vielleicht doch von Pepsi auf Grund der schauspielerischen Fähigkeiten der Beteiligten als Fake inszeniert wurde, so ist es dennoch äußerst sehenswert und hat seinen viralen Effekt keinesfalls verfehlt. Egal, ob Fake oder nicht: Chapeau an Pepsi für dieses Viral!

Mehr Infos dazu findet Ihr übrigens auch unter dem Hashtag #gordontestdrive.