Buergermeisterwahl in Bad Brueckenau

Von politischen Themen halte ich in der Regel großen Abstand, zumindest beim Bloggen. Doch ein Thema, das mich nicht wirklich loslässt und zu dem ich unbedingt ein paar Zeilen loswerden musste, ist die bevorstehende Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau. Gestern fand die Podiumsdiskussion der drei Bürgermeister-Kandidaten statt, bei der nur zwei Personen wirklich punkteten: Die beiden Moderatoren.

Bad Brückenau ist eine Kleinstadt in Unterfranken, die ziemlich schön anzuschauen ist und ein Anziehungspunkt für junge Familien und Touristen sein sollte. Dort gibt es alles, was man zum Leben und Urlaub machen braucht. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für eine florierende Stadt.

Die Realität der Kur- und Gesundheitsstadt ist jedoch eine andere: Sinkende Einwohnerzahlen, fehlender Touristenansturm, eine aussterbende Innenstadt und eine gewisse Perspektivlosigkeit für die Jugend. Ziemlich schade, was mir als Bad Brückenauer im Herzen weh tut, auch wenn ich das vergangene Jahrzehnt nicht wirklich viel Zeit in meiner Heimatstadt verbracht habe.

Endspurt der Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau

Den Sommer über bin ich nach mehr als zehnjähriger Abstinenz immerhin teilweise in Bad Brückenau ansässig. Als Digitaler Nomade, der dort gemeldet ist, darf ich sogar für meinen Wunsch-Bürgermeister abstimmen. Welch große Ehre, die mir da in wenigen Tagen zuteil wird.

Vor der gestrigen Podiumsdiskussion stand bereits fest, wem ich meine Stimme geben würde. Nach der Podiumsdiskussion waren jedoch mehr Fragen offen, als zuvor. Auch mein persönlicher Favorit bugsierte sich auf eine Ebene mit den anderen beiden Kandidaten, denen allesamt irgendwie das Feuer fehlte, eine tolle Stadt mit ordentlichem Potenzial regieren zu wollen.

Neben der Motivation der Kandidaten fehlte mir ein langfristiges Ziel der aktuellen Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks und den beiden Herausforderern Claudio Kleinhans und Mike Richter, um die Kurstadt wieder auf Vordermann zu bringen. Aber ist es nicht genau das Ziel, worauf sich ein Politiker fokussieren sollte? Wieso hat sich keiner der drei Gedanken über eine Vision und eine Mission gemacht, die ein jedes Unternehmen zu Papier bringt, bevor es auf dem Markt angreift?

Auf Grund der fehlenden Identifikation mit einem der drei Bürgermeister-Kandidaten sehnte ich mir gar einen der beiden Moderatoren von der Saale Zeitung als künftigen Bürgermeister herbei. Beide machten ihre Sache so gut, dass sie es teilweise schafften, die Fragen mit größerem Mehrwert und Scharfsinn zu versehen, als es bei den Antworten der Kandidaten der Fall war.

Die Kandidaten in einer subjektiven Betrachtung

Ganz klar, ich hatte mir mehr von der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau versprochen. Vielleicht wollte ich mir meinen Wunsch-Kandidaten aber einfach auch nur durch die Veranstaltung in der Georgie-Halle bestätigen lassen. Doch dem war leider nicht so, woran die Aussagen von Meyerdierks, Richter und Kleinhans nicht ganz unschuldig waren.

Ich stelle sie dir kurz und knapp vor und verweise dabei auf ein paar ihrer Aussagen von der gestrigen Wahlkampf-Veranstaltung:

Brigitte Meyerdierks, „Eine von uns, für uns“ oder so irgendwie

Eines muss man der aktuellen Bürgermeisterin von Bad Brückenau lassen: Rhetorisch hat sie einiges auf dem Kasten, weshalb sie auch nur ungern das Wort abgab, innerhalb des Trios die meiste Redezeit hatte und nicht immer auf den Punkt gekommen ist. Typisch Politikerin eben.

Die größten Probleme der Stadt sieht Meyerdierks in der Jugendentwicklung. Wirkliche Lösungen hatte sie dafür aber nicht parat. Etwas absurd war die Aussage, eine der drei Eisdielen in der Innenstadt für Jugendliche attraktiver zu gestalten und diese als primären Treffpunkt der jungen Generation umzuwandeln.

Auch etwas verwirrend war die Antwort auf die Frage, was sie bei einer erneuten Kandidatur besser machen könne: „Mehr Baldrian einnehmen.“ Dann doch lieber den alten Krankenhausparkplatz in einen Mehrgenerationenplatz mit überdimensionalem Schachfeld und Bouleplatz ausstatten. Vielleicht ist da auch etwas für die verwaiste Jugend dabei.

Mike Richter, der Familienvater aus Hessen

Dass ein Hesse im unterfränkischen Bad Brückenau als Bürgermeister kandidiert, mag vielen alteingesessenen Bröggenäern ein Dorn im Auge sein, was die Chancen des Oberzellers durchaus beeinträchtigt. In Bad Brückenau kommt nunmal nicht jeder mit der Nähe zur hessischen Grenze klar und wirkt auf die freundlichen Nachbarn oftmals etwas ignorant.

Mike Richter selbst präsentierte sich bei der Podiumsdiskussion anfangs etwas nervös und zurückhaltend, dafür aber auch überlegt und kam für einen Politik interessierten relativ schnell auf den Punkt. Das mag auch daran gelegen haben, dass er gefühlt die wenigste Redezeit bekam.

Zum Schluss wiederholte er zwar einige Aussagen und plädierte stets für ein besseres Zusammenspiel zwischen Bürgern, Stadträten und Bürgermeister, allerdings machte er seine Sache recht souverän. Ein Funkeln in den Augen, um die Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau an sich zu reißen, war aber nicht unbedingt zu spüren.

Claudio Kleinhans, der 23-Jährige mit Bock auf Innovationen

Mit 23 Jahren ist Claudio Kleinhans, dem anfangs nicht einmal zugetraut wurde, das Mikrofon selbstständig zu halten, mit Abstand der Jüngste im Bunde. Der Frage, ob er denn zu jung für den Bürgermeistertitel sei, konterte er jedoch mit der Aussage „Wenn ein 27-jähriger in Österreich Außenminister werden kann, dann kann ich auch mit 23 Jahren Bürgermeister in Bad Brückenau werden.“ An Schlagkräftigkeit mangelt es ihm schon mal nicht.

Punkte sammelte Claudio – oder vielleicht doch lieber Herr Kleinhans – aber vor allem als er die Worte „umdenken“ und „innovativ“ in den Mund nahm. Er möchte definitiv etwas ändern und den Fokus auf die Jugend legen, auch wenn die demographische Entwicklung manch einen Kommunalpolitiker dabei schwer ins Grübeln brachte.

Ich war jedenfalls überrascht über so manche Aussagen von Kleinhans, der vor der Veranstaltung nicht mal annähernd zu meinem Favoritenkreis  zählte. Vielleicht ist er der einzige, der wirklich Kapital aus der Diskussionsrunde schlagen konnte. Sein Alter wird ihm wahrscheinlich trotzdem zum Verhängnis werden, aber um es mit den Worten von Kaiser Franz zu sagen: „Schau´n mer mal!“

Einer muss es ja machen

Auch wenn der ein oder andere Kandidat in meiner subjektiven Bürgermeister-Betrachtung nicht wirklich gut davon kam, sind alle drei extrem bürgernah, freundlich und haben stets ein offenes Ohr. Schade nur, dass keiner so richtig auf die Frage „Was können Sie in Bad Brückenau als Bürgermeister ändern?“ antworten konnte. Hier fehlt mir einfach ein klares Konzept und die bereits angesprochene Vision und Mission, um das Stadtbild mittel- bis langfristig positiv zu beeinflussen.

Schade auch, dass ich nach der Podiumsdiskussion unschlüssiger denn je bin, was meine Stimmabgabe für die Bürgermeisterwahl in gut einer Woche betrifft. Ich werde mir wohl nochmals ausgiebig Gedanken machen müssen. Vielleicht kommt ja doch noch einer mit einer klaren Linie und einem ausgereiften Konzept zur Umsetzung.

Umdenken und Innovation sind hierbei die beiden Worte, die für Bad Brückenau von größter Bedeutung sein werden. Denn ohne Veränderung wird meine wunderschöne Heimatstadt weiter aussterben und an Attraktivität einbüßen. Eventuell sollten wir als Einwohner aber nicht die gesamte Verantwortung auf den Bürgermeister schieben und ständig über negative Punkte mosern, sondern endlich selbst anpacken und unsere Ideen einbringen.

Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau: Ein Kommentar eines Unschlüssigen

5 thoughts on “Bürgermeisterwahl in Bad Brückenau: Ein Kommentar eines Unschlüssigen

  • 2. September 2016 bei 10:05
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    Es war ein ineressanter kurzweiliger Abend. Jedoch hatte ich mehr Information erwartet.
    Vor allem von den „Neuen Kandidaten“.
    Waren Kleinhans und Richter zu schlecht vorbereitet? Hat man ihnen überhaupt die Chance gegeben, sich auf die Fragen vorzubereiten?
    Nur dadurch kann ich mir erklären, dass sie nur mit Visionen und allegemeinem Phrasen geantwortet haben, was wenig informativ war.
    Myerdiercks war hier mit Insiderwissen klar im Vortel.

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    • 4. September 2016 bei 21:30
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      Die Fragen hat man uns vor der Veranstaltung nicht zur Verfügung gestellt.

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  • 2. September 2016 bei 10:07
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    Danke für diesen Kommentar – super Artikel.

    Ich denke am Kern des Problems in Bad Brückenau sitzt wirklich die mangelnde (aktive und gemeinsame) Teilnahme der Bürger am politischen Alltag, am sozialen Leben und an der Gestaltung der städtischen Zukunft. Jung und Alt haben sich in Bad Brückenau seit einigen Jahren nahezu vollständig aus der Verantwortung gezogen. Schaut man in (ausnahmslos alle) Nachbargemeinden, findet sich ein völlig anderes Bild. Woran liegt das?

    Ich glaube die Bürgermeister und Gemeinde- bzw. Stadträte spielen eine zentrale Rolle in der Gestaltung von Zukunft und Gegenwart einer Stadt und tragen für einige Jahre hierfür die Verantwortung. Aber leider sind sie vor allem auch ein Spiegel Ihrer Bürger und deren „Willenskraft“ zur Veränderung, am Beispiel Brückenau heiß das im Klartext, dass es bei der bisherigen Besetzung bleiben wird.

    Mein Tipp:

    – Meyerdierks ist wie Merkel, keine klare Agenda, keine Vision, gewinnt die Wahl wohl am Ende trotzdem
    – Richter hat wenig Aussichten, da er sich offenbar nicht durchsetzt (und aus Hessen kommt)
    – Kleinhans wäre der Richtige für Veränderung und Wandel … ob er sich gegen den nach wie vor maroden und immer mit den gleichen Gesichtern besetzen Stadtrat und die Großgrundbesitzer (Stichwort: Pacht für Lokale in der Altstadt) durchsetzen könnte bleibt offen.

    Schlussendlich – warum kandidieren nicht die Brückenauer Töchter und Söhne in den 30ern und 40ern, unsere Generation? Mir fallen da so einige Kandidaten ein, die relativ sicher den Durchmarsch schaffen könnten. Wären nicht genau die es, die der Stadt neuen Wind einhauchen könnten?

    Nun, ich hoffe sehr für die Kurstadt, dass es mal irgendwann einen Wandel gibt. Es ist bedauerlich, wie steil es mit der vor nicht mal 10 Jahren noch so relativ gut aufgestellten Stadt bergab geht.

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  • 2. September 2016 bei 10:20
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    warum setzt uns die PWG schon wieder einmal mehr einen fremden von ieser Partei „geprüften“ Kandidaten vor die nase. ? hat ullmann nicht schon genug schaden angerichtet? ich glaube hier geht eseinzig und alleine um die gier nach der macht im Rathaus. einmal daneben greifen langt doch nicht schon wieder. deshalb sollten die brkler beim bewährten und bekannten bleiben. das frau meyerdierks dir richtig ist, hat sie doch bereits des Öfteren schon bewiesen. z.b. fachmarktcenter, ohne welches sonst noch immer das alte gehöck der ehem. Molkerei dort vor sich hin gammeln würde. sollte das vergessen sein?

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    • 4. September 2016 bei 22:40
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      Und warum nicht mal einen kompetenten, mutigen Denker die Chance geben es besser zu machen? Das Alter spielt hierbei überhaupt keine Rolle! Das Ergebnis unter dem Strich ist das was zählt!
      Wir müssen Bad Brückenau wettbewerbsfähig halten und uns von der Masse abheben. Bad Brückenau muss umdenken und mit neuen Innovationen dem Status quo entgegen zu wirken.
      Innenstadtbelebung:
      Erschaffe! – Unterstütze das Entstehen von Treffpunkten.
      Jugend Café als Jugendtreff, besetzt durch Bundesfreiwilligendienst und Boris Höttinger
      Projekt: „Leben findet innen stadt“
      Zur Attraktivität einer Innenstadt gehört auch deren äußeres Erscheinungsbild. Sauberkeit und Grünpflege muss künftig eine höhere Priorität genießen. Das optische Erscheinungsbild ist die Visitenkarte der Stadt.
      Wir haben die besondere Lage an der A7, sogar mit 2 Ausfahrten. Wir haben Potenzial und das möchte ich ausschöpfen! Am Obermang-Parkplatz müssen Ladestationen für E-Autos vorgehalten werden. An der Autobahnausfahrt sollen Schilder darauf hinweisen. Menschen fahren von der Autobahn ab um Ihre Fahrzeuge zu laden und besuchen während des Ladevorgangs die Innenstadt.
      Ladestationen für E-Bikes in der Innenstadt bringen auch Wartezeit mit sich und fördern somit die Kaufkraft.
      Die Aufgabe unserer Stadt muss es sein, ihre Flächenentwicklung zu steuern. Hier gilt es, dem Grundsatz „Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung“ zu folgen. Konkret bedeutet das eine Begrenzung der Siedlungsentwicklung außerhalb der Zentren und Investition in Erhalt und Ausbau des städtischen Zentrums. So werden lebendige Quartiere geschaffen.
      Außerdem stehen wir als Kommunen vor der Frage, wie das Miteinander der Generationen zukünftig verbessert werden kann, denn die Interessen von Familien und Kindern sind häufig andere als die der Senioren. Hier gilt es, aktiv zu werden und kommunale Zukunft im Dialog der Generationen neu zu denken.
      Wir müssen in Bad Brückenau weg vom Verwal¬ten und hin zum Gestalten kommen. Wir dürfen unsere Augen nicht vor den Problemen der Innen¬stadt verschließen, nur weil es andere Bereiche gibt, an denen die Stadt auch arbeiten muss. Wir benötigen vielmehr neue Kraft und Initiative zur Belebung der Innenstadt. Wir müssen diese erlernte Hilflosigkeit abschütteln und nach vorne schauen!
      Das Marketing der Stadt muss auch verbessert werden. Man könnte erfahrene Blogger nach Bad Brückenau einladen, welche dann über Ihre Kanäle über Bad Brückenau schreiben. (vgl. Alexander Martin).
      http://www.social-media-aachen.de/blog/social-media-potentiale-fur-modernes-stadtmarketing/

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