Heute auf den Tag genau ist es fünf Jahre her, als meine damalige Mitbewohnerin, die zu dieser Zeit genauso wie ich Sportmanagement studierte, in mein Zimmer gerannt kam und aufgewühlt sagte: „Enke ist tot!“

Mit diesen Worten wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich etwas anzufangen, bis mir der aktuelle Nationaltorwart Robert Enke in den Sinn kam. Als ich kurz darauf ein Sportportal aufrief, standen dort genau die Worte, die mir meine Mitbewohnerin ein paar Minuten zuvor hastig zugeworfen hatte.

gedENKEn

Dass sich der beste deutsche Fußballtorwart und der als Nummer 1 für die bevorstehende Weltmeisterschaft in Südafrika gehandelte Rückhalt von Hannover 96 verstorben sei, ging mir damals nicht in den Kopf. Erst recht nicht, als bekannt wurde, dass es sich bei dem Unglück um einen Freitod von Robert Enke handelte. Eines der großen Vorbilder des deutschen Fußballsports hatte sich auf Grund schwerer Depressionen doch tatsächlich das Leben genommen.

Beitrag von Florian Fromlowitz im „11 Freunde“-Magazin

In der aktuellen Ausgabe der 11 Freunde las ich in der vergangenen Woche einen Artikel mit dem Titel „Robert und ich“. Der Text handelte von Robert Enke und seinem damaligen Ersatzmann Florian Fromlowitz, der zugleich der Verfasser der zum Nachdenken anregenden Zeilen war. Auf den vier Seiten ging es vor allem um das schwere Erbe eines noch jungen Torwarts und eines Vereins, der lange mit den Nachwirkungen des Selbstmordes zu kämpfen hatte.

Einige Textpassagen stimmten mich beim Lesen sehr nachdenklich und auch traurig. Zwei davon möchte ich daher zitieren, ohne allzu groß darauf eingehen zu wollen:

Robert sprach nie viel. Er wirkte oft in sich gekehrt, nachdenklich. Ich sah ihn auch selten lachen, dabei waren die Momente, wenn er mal fröhlich war, wirklich schön.

Nach dem Einschießen sagte er, beinahe beläufig: „Flo, du wirst hier bald deine Spiele bekommen.“ Ich verstand ihn damals nicht. Heute läuft es mir kalt den Rücken runter.

Hannover 96 wäre in der Saison 2009/10 fast abgestiegen, da der Fußball zur Nebensache wurde. Doch wie durch ein Wunder hat der Verein in den letzten beiden Saisonspielen doch noch die Kurve gekriegt. Nach vielen Wochen Trauer war wieder ein bisschen Alltag in Niedersachsens Hauptstadt eingekehrt.

Was hat sich seitdem im Fußballsport getan?

Was das Thema Depressionen betrifft, so geht die Bundesliga seit dem Unglück sensibler mit der Krankheit um. Die steigende Anzahl der Psychologen in den Vereinen bestätigt dies. Auch einige Fußballprofis haben sich seit dem Tod Enkes zu Depressionen bekannt. Beste Beispiele dafür sind Markus Miller, ebenfalls von Hannover 96, und Andreas Biermann.

Vor allem Biermann ging mit seiner Krankheit sehr offen nach Enkes Tod um und bot als Ansprechpartner seine Hilfe an, indem er für unter Depressionen Leidende sogar seine Handynummer im Internet veröffentlichte. Wie schwer die psychische Krankheit jedoch ist, machte der 18. Juli dieses Jahres deutlich, denn an diesem Tag setzte Biermann seinem Leben ein Ende. Die Krankeit war auch hier zu stark gewesen.

ROBERT gedENKEn mit digitalem Museum

Aus dem Tod von Robert Enke und dessen Tochter Lara, die drei Jahre zuvor wegen Herzproblemen verstarb, ging die Robert-Enke-Stiftung hervor, die sich für die Bekämpfung von Depressionen und Herzkrankheiten einsetzt. Zum fünften Todestag kooperiert die Stiftung mit dem Landesmuseum Hannover mit einer fünftägigen Aufklärungs- und Erinnerungsausstellung, die morgen leider schon wieder endet.

Für alle, die die Ausstellungsstücke nicht vor Ort bewundern konnten, wurde ein digitales Museum unter www.gedENKEn.robert-enke-stiftung.de gelauncht, welches ich einfach nur großartig finde. Nicht zuletzt deshalb, weil die Seite interaktiv gestaltet ist und viele tolle Erinnerungsstücke bereithält. Auch Fotos und Videos wurden veröffentlicht und blicken auf eine Karriere zurück, die leider viel zu früh endete.

Sinn und Zweck ist es mit der analogen und digitalen Ausstellung weiterhin auf die Krankheit Depressionen aufmerksam zu machen. Genau aus diesem Grund hat Teresa Enke mit Teresas Blog eine weitere Plattform geschaffen, mit der die Frau des gebürtigen Jenaers die Thematik weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rücken möchte und über Aktuelles von der Robert-Enke-Stiftung berichtet.

Unterstützt Teresa dabei und twittert unter dem Hashtag #gedENKEn, was das Zeug hält, um eine schöne Aktion voranzubringen, die aus einem weniger schönen Ereignis resultierte.

In gedENKEn an Robert Enke

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