Handball-Weltmeisterschaft in Katar: Von Euphorie keine Spur

VonDaniel Schöberl

Handball-Weltmeisterschaft in Katar: Von Euphorie keine Spur

Gestern hat die Handball-WM begonnen. Eigentlich bin ich ein großer Fan der Sportart, nicht zuletzt, weil ich jahrelang selbst Handball gespielt (oder fast schon gelebt) habe. Doch in diesem Jahr ist die Euphorie gleich null – die Weltmeisterschaft in Katar interessiert mich einfach nicht.

Schade eigentlich, dass ich solche Zeilen überhaupt schreibe, aber es ist nun mal so, dass Handball-Deutschland (oder vielmehr nur ich) einfach keine Lust auf diese Weltmeisterschaft im Wüstenstaat hat, der 2022 auch noch Austragungsort der Fußball-WM sein wird. Traurig für Deutschlands beliebteste Ballsportart nach dem Fußball, aber folgende drei Gründe machen deutlich, warum die Begeisterung für die laufende WM momentan einfach fehlt.

1. Grund: Die Vergabe der Wild Card

Die DHB-Auswahl hätte eigentlich niemals im Spielplan auftauchen dürfen, denn qualifiziert hatte sie sich für das alle zwei Jahre stattfindende Turnier nicht. Stattdessen bekam sie eine Wild Card zugesichert, ohne die sportliche Leistung dafür erbracht zu haben. Die Australier, die sich dagegen ordnungsgemäßig qualifizierten, mussten hingegen Platz für die Deutschen machen.

2. Grund: Keine Übertragungen im Free-TV

Wie soll sich eine Euphorie für die Handball-Weltmeisterschaft in Katar entwickeln, wenn die Spiele gar nicht erst im Free-TV übertragen werden? Waren es im Weltmeisterschaftsjahr 2007 noch 16 Millionen Deutsche, die den Titelgewinn gegen Polen vor dem Fernseher feierten, so werden in diesem Jahr nur sehr wenige Fans die Spiele anschauen können.

3. Grund: Die Sportmacht Katar – ja nee, is klar

Bereits im September hatte ich mich über die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausgelassen. Es fehlt mir einfach das Verständnis, warum ein Land das halb so groß wie Hessen ist, Ausrichter einer sportlichen Großveranstaltung werden darf, ganz egal, ob Fußball oder Handball. Laut spiegel.de stirbt alleine jeden zweiten Tag ein nepalesischer Gastarbeiter auf den Baustellen. Homosexuelle werden als Straftäter behandelt, weshalb ihnen bis zu 15 Jahren Haft droht. Furchtbare Verhältnisse, oder?

Während ich diese Zeilen schreibe, absolviert das DHB-Team gerade das erste Gruppenspiel – übrigens erneut gegen Polen. Ich schaue es weder an noch verfolge ich es per Livestream. Wirklich schade, vor allem für einen großartigen Sport und unsere Handballer, die sich in diesen Minuten mächtig ins Zeug legen.

Aber was soll ich machen? Ich kann mich einfach nicht für die Handball-WM in Katar begeistern. Es tut mir leid, du ach so schöne Sportart.

Über den Autor

Daniel Schöberl administrator

6 Kommentare bisher

Sophie BallEingestellt am10:11 pm - Jan 16, 2015

bin ganz deiner meinung..nicht qualifiziert und dann doch dabei..eine farce die kein ende nimmt..australien hat eine tolle quali gespielt und hätten es mehr verdient dabei zu sein..ich bin vom dhb sowas von enttäuscht..habe auch jahrelang gespielt, wenn ich einer der spieler wäre..ich wäre nicht mitgefahren mit dem mitleids ticket..das ist echt peinlich für den dhb und das komitee die das entschieden haben.

    Daniel SchöberlEingestellt am7:48 pm - Jan 26, 2015

    Hallo Sophie,
    für die Spieler ist es natürlich eine komische Situation, da der DHB das Wildcard-Ticket dankend angenommen hat. Vielleicht hätte man vom Verband aus fairnesshalber einfach absagen sollen. Für die Australier ist es leider eine sehr unglückliche Situation, aber für die scheint sich der Welthandball wohl nicht zu interessieren.
    Viele Grüße, Daniel.

ThomasEingestellt am9:42 am - Jan 19, 2015

Schade auch, dass die Handball Thematik relativ wenig in den Medien debattiert wird, ganz anders als Fußball. Sowohl FIFA als auch alle anderen großen „Gremien“ im Sport sollten dringend an der Achtung der Menschenrechte als Grundkriterium fürs Ausrichten einer Großveranstaltung arbeiten. Alles andere, z. B. Klima vor Ort (interessiert ja auch niemanden offenbar), sportliche Nichtvorhandenheit des Landes in jedweder Sportart, etc. ist ja fast schon sekundär im Vergleich zur Sklavenhaltermentalität von Katar und Co.

    Daniel SchöberlEingestellt am7:52 pm - Jan 26, 2015

    Hallo Thomas,
    ich bin absolut deiner Meinung, dass der Handballsport bei weitem nicht das Standing hat wie es beim Fußball der Fall ist. Selbst der FC Bayern wird in die Mangel genommen, weil die Münchener in Katar ihr Trainingscamp abgehalten haben. Die Hintergründe zur Handball-WM scheinen dabei aber keine Rolle zu spielen. Ich kann deinen Unmut also sehr gut nachvollziehen.
    Viele Grüße, Daniel.

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