re:publica 2013 – Berlin! Berlin! Wir waren in Berlin!

VonDaniel Schöberl

re:publica 2013 – Berlin! Berlin! Wir waren in Berlin!

An den vergangenen drei Tagen war in Berlin das berühmt berüchtigte „Klassentreffen“ oder „Familientreffen“ namens re:publica angesagt, das von den Gründern bei der Eröffnung gar als Festival vorgestellt wurde. Hier treffen sich jährlich Entwickler, Blogger, Journalisten, sonstige Nerds bis hin zu politisch Interessierten, die auf eine ganz bestimmte Art und Weise von der digitalen Welt besessen sind.

Die ersten Eindrücke eines Neulings

Erstmals war auch ich mit von der Partie und hatte große Erwartungen, schließlich war die Aufregung innerhalb meiner Twitter-Timeline bereits Tage vor dem Event riesengroß. Auch im vergangenen Jahr wimmelte mein Account nur so vor lästigen Tweets mit dem Hashtag #rp12. Und das über ganze drei Tage hinweg. Höchste Zeit also für mich selbst dabei zu sein, um einige Avatare, die ich bisher nur aus der digitalen Welt kannte, endlich in der Realität anzutreffen.

re:publica 2013 in Berlin

Vor allem in den Anfangsstunden machte sich bei den meisten Teilnehmern, so auch bei mir, eine gewisse Unsicherheit breit. Man kennt sich zwar, allerdings auch wieder nicht. Das erste Herantreten an einen Follower ist daher immer etwas schüchtern und zwar von beiden Seiten. Da man aber schnell mitbekommt, dass es ca. 90 Prozent aller Besucher so geht, ist die Zurückhaltung schnell verflogen, vor allem ab 16 Uhr („Kein Bier vor vier!“).

Alles in allem ist die re:publica, die mit der englischen Aussprache, wie ich feststellen musste, rein gar nichts zu tun hat, eine sehr zwanglose Veranstaltung. Es geht tatsächlich um das Networking und wer diese Möglichkeit nicht nutzt, dem werden zwar einige spannende und tiefgründige Vorträge geboten, eine Erweiterung des eigenen Netzwerkes bleibt allerdings aus. Und mal ehrlich, die besten Informationen und Ideen erhält man nun mal bei einem Gespräch mit anderen Bloggern, Diginerds und Social Media-Rockstars.

Die Top 3 der Sessions auf der re:publica

Sascha Lobo erfindet das InternetlogoIn Erinnerung bleiben werden mir drei imponierende Vorträge, wovon jeder an einem anderen Tag stattfand. Zur Prime Time, zeitgleich mit „The Simpsons“ auf Prosieben, referierte der stets polarisierende Sascha Lobo einen Überraschungsvortrag zum Thema „Mit Wut und Pathos für das freie Internet“. Dieser war teilweise etwas langwierig, allerdings beinhaltete er zahlreiche spannende Blickwinkel, gepaart mit einer ordentlichen Portion Ironie. Die enorme Anzahl an Zuhörern auf Stage 1 machte zudem deutlich, welch großes Standing Lobo noch immer unter den „Internet People“ genießt.

Der Dienstag begann sogleich mit der energiegeladenen Französin Catherine Barba, die „10 tips to grow your Positive Entrepreneurial Energy“ raushaute. Nicht nur ein äußerst motivierender Beitrag, sondern gleichzeitig auch eine Art Warnung, sich nicht über alltägliche Kleinigkeiten zu ärgern und das Leben in vollen Zügen zu genießen und das zu tun, woran man tatsächlich Spaß hat: „Life is short – eat cookies!“ Steve Jobs hätte es, wie bei seiner damaligen Rede in Stanford, nur schwer besser machen können.

Hier die Top 10 von @cathbarba:

Vortrag von @cathbarba

Last, but not least ging es am letzten Tag der Konferenz im Vortrag „Die Digital Natives ziehen in den Krieg“ von Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow darum, dass soziale Netzwerke nicht immer friedlich sind, sondern gerade in Krisensituationen förderlich für Kriegsverherrlichung und Propaganda sein können.

Auf der anderen Seite zeigen Facebook & Co. allerdings auch einen Blick hinter die Kulissen, zumindest solange bis die Zensur in Kraft tritt. Eine spannende Website für alle Ferngebliebenen ist hierbei sicherlich Out of Sight, Out of Mind., eine gut aufbereitete, interaktive Statistik, die ein paar weniger schöne Zahlen wiedergibt. Schaut einfach mal rein.

Nobody is perfect, auch die re:publica nicht

Um die #rp13 nicht ausschließlich in den Himmel zu loben, lässt sich ein objektiver Blick auf das Event nicht vermeiden. Glücklicherweise gibt es hierbei nicht allzu viel zu bemängeln, denn die Veranstaltung war einfach rundum gelungen, bis auf eben diese drei winzigen Schönheitsflecken:

  1. Die Sessions „Überraschungsvortrag“ von Sascha Lobo und „Heute aufwachsen in Digitalistan“ von Manuela Schauerhammer hatten zwei Dinge gemeinsam. Beides waren äußerst beeindruckende Vorträge zu kurzweiligen Themengebieten, allerdings funktionierte das Abspielen der Videos nicht, was für eine solch professionelle Konferenz eigentlich ein absolutes No-Go ist und die Referenten etwas dumm aus der Wäsche hatte schauen lassen.
  2. Das Catering im Allgemeinen war schön und gut. Die Anstehzeiten zur Mittagszeit dann aber doch eher untragbar. Wer auf Vorträge nicht verzichten wollte, musste durchaus einige Minuten an der Warteschlange in Kauf nehmen. Glücklicherweise konnten die Laute der knurrenden Mägen der Besucher durch die massive Geräuschkulisse übertönt werden. Eine Idee für das kommende Jahr wäre es weitere Essensstände einzubinden. Vielleicht sogar mit einer Döner- und/oder Currywurstbude. Typisch Berlin eben.
  3. Während ich diesen Blogpost schreibe muss ich über den dritten negativen eigentlich eher schmunzeln. Und zwar geht es um das regelmäßige Umfallen von Bierflaschen, insbesondere ab 16 Uhr, während der Vorträge. Kaum eine Präsentation verging, ohne dass ein Glasgefäß den harten Boden nicht berührte und einige Zentimeter in der Horizontale durch die Räume rollte. Etwas anstrengend für die Nerven, war man doch fixiert auf die Worte der Protagonisten auf der Bühne (Kleine Anmerkung: Auch ich war eine dieser Nervensägen. Sorry!).

Beim Gesamturteil spielen die obigen Punkte nur eine untergeordnete Rolle. Die re:publica hat definitiv das Potenzial dazu, als Ziel in die Buchreihe „1,000 Places to See Before You Die“ aufgenommen zu werden. Für sämtliche Webworker und digital Begeisterte ist eine Reise nach Berlin ein absolutes Muss, weshalb auch ich im kommenden Jahr wieder mit dabei sein werde. Und dann gilt es erneut, das Netzwerk weiter auszubauen, neue Ideen aufzuschnappen und auch das Feiern nicht außer Acht zu lassen.

Vielen Dank an alle, mit denen ich mich während der drei Tage austauschen konnte und auf den Putz hauen durfte. Außerdem natürlich ein großes Lob an die Organisatoren für drei Tage vom Allerfeinsten. Wir sehen uns dann spätestens zur re:publica 2014 in Deutschlands digitaler Hauptstadt Berlin.

Über den Autor

Daniel Schöberl administrator

8 Kommentare bisher

Gelungene Shitstorms mit Kinderbriefen | DanielSchoeberl.comEingestellt am9:04 pm - Aug 15, 2013

[…] ich das rote Kuvert in der Hand hielt, ein Vortrag von Manuela Schauerhammer bei der diesjährigen re:publica in den Sinn. Das Thema “Heute aufwachsen in Digitalistan: Die neuen mündigen […]

#rp14 – Da simmer dabei, dat is prima | DanielSchoeberl.comEingestellt am11:41 pm - Dez 18, 2013

[…] Rede, kurzer Sinn… In meiner Zusammenfassung zur re:publica 2013 hatte ich bereits angekündigt, auch im kommenden Frühling wieder in Berlin erscheinen zu wollen. […]

Und jährlich grüßt die re:publica | DanielSchoeberl.comEingestellt am9:27 pm - Mai 4, 2014

[…] Im pulsierenden Berlin beginnt übermorgen die re:publica. Endlich, möchte man meinen, denn die Vorfreude auf den Pflichtevent für Blogger und sonstige Digital-Fetischisten existiert beim Großteil der Besucher bereits seit dem Ende vergangenen Veranstaltung. […]

Und jährlich grüßt die re:publica | DanielSchoeberl.comEingestellt am9:27 pm - Mai 4, 2014

[…] Im pulsierenden Berlin beginnt übermorgen die re:publica. Endlich, möchte man meinen, denn die Vorfreude auf den Pflichtevent für Blogger und sonstige Digital-Fetischisten existiert beim Großteil der Besucher bereits seit dem Ende vergangenen Veranstaltung. […]

re:publica 2014: Das war’s! | DanielSchoeberl.comEingestellt am12:37 am - Mai 9, 2014

[…] zu wollen, möchte ich ein paar Dinge nennen, die besser hätten laufen können oder bei der re:publica 2013 vielleicht auch einfach besser waren. So fand ich trotz des tollen Mottos “Into the Wild“ die […]

re:publica 2014: Das war’s! | DanielSchoeberl.comEingestellt am12:37 am - Mai 9, 2014

[…] zu wollen, möchte ich ein paar Dinge nennen, die besser hätten laufen können oder bei der re:publica 2013 vielleicht auch einfach besser waren. So fand ich trotz des tollen Mottos “Into the Wild“ die […]

re:publica 2015: Es war schon wieder großartig – danielschoeberl.comEingestellt am10:41 am - Mai 8, 2015

[…] Sessions und 800 Speaker haben 2015 für eine geballte Informationsflut gesorgt. Anders als noch 2013, wo ich mir im Vorhinein lange Gedanken gemacht habe, welchen Vortrag ich wann besuchen würde, […]

Und jährlich grüße die re:publicaEingestellt am4:53 pm - Jul 1, 2017

[…] Im pulsierenden Berlin beginnt übermorgen die re:publica. Endlich, möchte man meinen, denn die Vorfreude auf den Pflichtevent für Blogger und sonstige Digital-Fetischisten existiert beim Großteil der Besucher bereits seit dem Ende vergangenen Veranstaltung. […]

Schreibe eine Antwort