Social Media im Profifußball

VonDaniel Schöberl

Social Media im Profifußball

Am Montagabend wurde der Fußballsport regelrecht zelebriert. Nicht nur, weil mit dem FC Bayern mein Lieblingsverein durch einen nicht wirklich unerwarteten 5:0-Sieg gegen den BSV Rehden in die die nächste Runde des DFB-Pokals einzog. Auch beim Digitalen Quartett drehte sich gestern alles um das runde Leder, was mich dazu veranlasste das Bayern-Spiel lautlos zu schauen und parallel aufmerksam beim Quartett zuzuhören. Multitasking geht eben doch, wenn man will.

Fußball meets Social Media

Das genaue Thema lautete in dieser Woche „Fußball meets Social Media“ und hatte hochkarätige Teilnehmer aus der Welt des Sports zu Gast, wenn auch etwas HSV-lastig. Neben dem Fußballprofi Marcell Jansen, Jörn Wolf (Mediendirektor beim HSV), David Nienhaus (Online-Sportredakteur bei WAZ.de) und Sportblogger Kai Pahl durften die Gastgeber Thomas Knüwer, Daniel Fiene und Richard Gutjahr natürlich nicht fehlen. Diskussionsstoff und Fragen via Twitter unter #quartett gab es zuhauf, was für die Brisanz und Aktualität der Thematik spricht.

Entwicklung der sozialen Medien innerhalb des Profisports

Dass sich Social Media im Sport nicht nur bei den Zuschauern vermehrt durchsetzen, sondern auch bei den Vereinen, Profisportlern und Journalisten selbst, wurde anhand der einzelnen Stimmen innerhalb des Google+ Hangouts deutlich. So sieht Wolf beispielsweise den Mikroblogging-Dienst Twitter nicht als Trend an, sondern als Teil der allgemeinen Entwicklung, wodurch Feedback generiert und ein direkter Austausch mit den Fans gewährleistet wird. Insbesondere die USA sind hierbei der Vorreiter, die durch die einzelnen Netzwerke weitaus näher am Verein und Spieler dran sind als bei uns in Deutschland.

Ein weiterer positiver Aspekt liegt für den Mediendirektor des HSV in der Geschwindigkeit, schließlich gehen Vereine seiner Meinung nach „über Social Media, um schnell reagieren zu können.“ Dem ist nichts entgegenzusetzen, weshalb der HSV mittlerweile sogar über zwei bis drei Angestellte verfügt, die sich gezielt mit den sozialen Netzwerken auseinandersetzen.

Aus Sicht des Profis ist Marcell Jansen sicherlich das Paradebeispiel für eine sinnvolle Nutzung der diversen Plattformen. So hat der sympathische Rheinländer nicht etwa eine gewöhnliche Website, sondern eine so genannte Infopage, die auf Facebook, Google+, Twitter und weitere Projekte des Fußballers verlinkt. Laut eigener Aussagen postet Jansen ungefähr 90 Prozent der Inhalte selbst, bei denen er dem Fan Eindrücke von unterwegs und auch der Person hinter dem Fußballsport vermitteln möchte. Und für dumme Sprüche gibt es auch mal einen ordentlichen Konter, wie vor kurzem ein Anhänger vom BVB über Twitter feststellen musste.

Für Sportjournalisten bietet das Social Web ebenfalls zahlreiche Vorteile, auch wenn unter den öffentlichen Meldungen von Profis und Vereinen oftmals die Exklusivität einzelner Nachrichten leidet. Die Anzahl an Informationen, die Geschwindigkeit sowie die Nähe zum Sportler und Verein sind selbstverständlich auch für die Schreiberlinge ein großes Plus. Bestes Beispiel hierfür ist David Nienhaus, besser bekannt als @ruhrpoet, der insbesondere via Twitter immer wieder den Kontakt zu Sportlern sucht, woraus tolle Interviews resultieren.

Konversation mit @ruhrpoet

Alleine die obige Auflistung an bekannten Persönlichkeiten aus dem Sport, mit denen so genannte Twinterviews (Interviews via Twitter) durchgeführt wurden, zeigt, dass einige Sportler bereits eine große Affinität zu Social Media haben und selbst fleißig am Netzwerken sind. Ein Journalist nimmt diese Möglichkeit, um mit Stars unkompliziert Kontakt aufzunehmen, natürlich gerne dankend an. Daumen hoch für beide Seiten.

Sind die Sportler auf Guidelines angewiesen?

Vergleicht man verschiedene Größen aus der Welt des Sports an deren Verhalten im Internet, dann wäre es manchmal sicherlich hilfreich, Guidelines aufzustellen, mit der Bitte diese zu befolgen. Boris Becker zum Beispiel hat die Gabe, regelmäßig über Twitter in Fettnäpfchen zu treten. Zwar scheint er das Netzwerk sehr zu lieben, sollte sich ab und an etwas zurückhalten mit seinen Veröffentlichungen, schließlich ist Social Media immer auch Imagekommunikation. Anatolij Tymoschtschuk steht ihm in nichts nach und veröffentlichte in der Vergangenheit ein Bild aus dem Massageraum des FC Bayern, wo rein zufällig auch Jupp Heynckes etwas unvorteilhaft zu sehen war. Riesiger Ärger im Bayern-Lager war die Folge.

Hinsichtlich der Social Media Guidelines interessierte mich eine Frage ganz besonders, die ich dank der Interaktivität beim Digitalen Quartett problemlos und zeitgleich mit einem anderen Twitterati rausposaunen durfte:

Tweet zu Social Media GuidelinesVon Jörn Wolf kam daraufhin die Antwort, dass es beim HSV keine wirklichen Guidelines gibt, was für mich dann doch etwas überraschend war. Er ist der Meinung, dass man sich im Allgemeinen an spezielle Regeln und Verhaltensweisen halten sollte. Die Spieler sollten bei sich selbst bleiben, vereinspolitische Themen außen vor lassen und ihre eigenen Erfahrungen machen. Guidelines seien dabei übertrieben.

Ähnlich locker sieht auch Marcell Jansen die Thematik, der bejahte, dass es beim HSV keine ausgeschriebenen Regeln zur Kommunikation über soziale Netzwerke gibt. In Bezug auf die Nationalmannschaft äußerte er sich im Hangout wie folgt: „Ich war beim letzten Turnier nicht dabei, aber ich denke schon, dass es Kommunikationsregeln gab, was auch durchaus verständlich ist.“ Solange keine Maßnahmen getroffen werden, wie es vor der vergangenen Europameisterschaft bei den Dänen der Fall war, sind wir alle glücklich und zufrieden. Denn den Spielern wurde prompt ein Maulkorb verpasst.

Sportblogger in Deutschland haben es nicht leicht

Da auch ich seit 2008 das Blog sport-mal-anders.blogspot.com führe, das seit dem letzten Jahr leider etwas eingeschlafen ist, fand ich die Diskussion über den Stand von Sportbloggern in Deutschland nicht weniger interessant. Hier kam Kai Pahl ins Spiel, den ich mir bereits auf der re:publica in Berlin anhören durfte. Wie auch schon damals war das Fazit, dass Sportblogger in Deutschland nicht wirklich angesehen und respektiert werden, leider eher ernüchternd.

Insbesondere bei Anfragen an verschiedene Vereine ist die Rückmeldung gleich null, wie der Gründer von alles ausser sport zu erkennen gab: „In Deutschland gibt es keine große Akzeptanz von Blogs bei Vereinen. In den USA ist dies jedoch ganz anders, schließlich bekommen dort Blogger teilweise sogar Presseausweise gestellt. Einziger Lichtblick bei uns ist, dass neue Impulse von kleinen Ligen kommen, die großen schotten Blogger allerdings weiterhin ab.“

Beim HSV wird das Thema Blog in Form einer Art Corporate Blog ebenfalls noch etwas skeptisch gesehen. Auf einen Tweet mit der Frage „Sehen Vereine Sportblogs mit anderen Medien auf Augenhöhe?“ antwortete Jörn Wolf etwas nachdenklich: „Kann man so nicht pauschal sagen. Es gibt nicht wirklich viele Erfahrungswerte, die wir mit Blogs gemacht haben.“ Schön zu hören ist allerdings, dass darüber nachgedacht wird, einen Blog für Fans mit Reiseberichten, News aus dem Team und kritischen Hinterfragungen zu erstellen. Wie es sich dann aber mit der tatsächlichen Umsetzung verhält, bleibt erstmal offen.

Noch ein paar Worte zum Abschluss

Festzustellen ist, dass es momentan weder für Vereine und Sportler, noch für Journalisten eine kleine Linie gibt, wie mit den einzelnen Medien umzugehen ist. Von Bedeutung sind die Erfahrungen, die man macht und aus denen Lehren gezogen werden sollten. Die Entwicklung zeigt jedoch, dass soziale Medien im Sport immer mehr an Bedeutung gewinnen und selbst alteingesessene Skeptiker ins Grübeln kommen, auf diverse Plattformen zurückzugreifen. Vielleicht wird es in Zukunft auch im Sport so sein, dass man um Twitter, Google+ und all die anderen Netzwerke einfach nicht herumkommt. Ein Blick über den großen Teich in die USA zeigt bereits eine Vielzahl an Best Practices auf. Warum also nicht einfach ein Beispiel nehmen und nachmachen?

Ein großes Dankeschön hierbei auch nochmal an das Digitale Quartett, das gestern Abend einen wunderbaren Einblick in die Nutzung von Social Media im Sport aus Sicht eines Mediendirektors, Profis und Journalisten gegeben hat. Nicht nur ein klasse Aufgebot, sondern auch eine äußerst spannende Diskussion. Sport rockt, was auch der zeitweise dritte Platz des Hashtags #quartett in den Trending Topics gezeigt hat.

Hier das äußerst sehenswerte Video zum Digitalen Quartett #41:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=JDal-8IuHu0&w=560&h=315]

Über den Autor

Daniel Schöberl administrator

2 Kommentare bisher

#Sehenswert: Gunter Dueck im Digitalen Quartett | DanielSchoeberl.comEingestellt am6:12 pm - Jan 14, 2014

[…] und soll auch keine (reine) Lobrede sein. Ich möchte Euch lediglich dazu aufrufen, das gestrige Quartett, sofern noch nicht geschehen, umgehend anzuschauen. In der Diskussion, die schnell zu einem Monolog […]

#Sehenswert: Gunter Dueck im Digitalen QuartettEingestellt am4:32 pm - Jul 1, 2017

[…] und soll auch keine (reine) Lobrede sein. Ich möchte Euch lediglich empfehlen, ins gestrige Quartett, sofern noch nicht geschehen, reinzuschauen. In der Diskussion, die schnell zu einem Monolog Duecks […]

Schreibe eine Antwort